Linton Kwesi Johnson
Die Neue Wortordnung /
New Word Hawdah
Gedichte in Deutsch und Englisch
Erscheinungsdatum: Juli 2002
ISBN 3-9807946-0-1
Seiten: 136
12.00 EUR

gilt als Vater der Dub-Lyrik, jener von der karibischen Kultur beeinflussten Dichtung, die den lyrischen Text und Vortrag mit Reggaebegleitung verbindet. Wie zu seinen Anfängen in den 1970er Jahren, als er zum sprachgewaltigen Chronisten der schwarzen britischen Bürgerrechtsbewegung wurde, bleibt Johnson auch in seinen jüngsten Texten engagiert. Seine Themen sind (der Kampf gegen) soziale Ungerechtigkeit, ethnische Diskriminierung, politische Verfolgung und die Notwendigkeit einer wirklichen Neuordnung gesellschaftlicher Strukturen.
Die neue Wortordnung steht in der Tradition deutscher Johnson-Übersetzungen der 1980er Jahre. Sie bietet 21 bisher noch nicht ins Deutsche übersetzte Gedichte des schwarzen Briten, jeweils im jamaikanischen Patois und deutscher Übertragung. Persönlicher als zuvor entwirft Johnson ein kritisches Bild Englands, der ehemaligen 'bitch', aber auch anderer Gesellschaften der post-1989er Welt.
Für alle, die Johnsons Musik lieben und der Bedeutung seiner jamaikanischen Texte auf den Grund gehen wollen!
Zum bisher zweiten Mal, nach 1984, werden jetzt in dem Buch: Die Neue Wortordnung / New Word Hawdah wieder Gedichte von Linton Kwesi Johnson im Original und in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Die Ausgabe umfasst die Gedichte des 1991 erschienenen Gedichtbandes Tings an Times sowie der neuesten Platte More Time von 1998. Die 21 Texte finden sich auch auf seinen letzten drei Alben: Making History (1984), Tings an Times (1991) und More Time (1998). Das Themenspektrum des bekennenden Sozialisten hat sich in den letzten zehn Jahren merklich erweitert. Neben Reflexionen über den Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa ("Mi Revalueshanary Fren") auf dem Tings an Times-Album finden sich auf More-Time auch Gedanken über Beziehung und Liebe, wie etwa in "Hurricane Blues". Zusammen mit den Texten von Making History zeigt der Gedichtband so die ganze thematische Bandbreite des Autors und seine dichterische Entwicklung der letzten zwanzig Jahre.
Johnson hat, wie die meisten Jamaikaner in England, weiterhin eine starke, auch familiäre Beziehung zu seinem Geburtsland, was in seinen Gedichten "Reggae fi Dada" (Reggae für Vater) und seinem Text über den ermordeten guayanischen Bürgerrechtler und Sozialwissenschaftler Walter Rodney ("Reggae fi Radni") zum Ausdruck kommt. Zur Hochform aber läuft er auf, wenn es um sein Paradethema geht: Polizeigewalt und Diskriminierung, so in dem Gedicht "Liesense fi Kill" (Lizenz zum Töten). Mit Hilfe eines Glossars am Ende des Buches, das Fachtermini, wie etwa die Abkürzungen unterschiedlichster Polizeisondereinheiten, erklärt, erhält man durch seine Texte Einblick in die gesellschaftliche Situation der Schwarzen in England. LKJ fasst die Problematik von "Lizenz zum Töten" in einem Interview von 1997 so zusammen: "In the last 25 years, at least 50 black people have died in police custody, which is a disgraceful record for any democratic country. There needs to be a political will to tackle the issue of rascist and fascist attacks against the Black and Asian communities by terrorists. That, I think, can only be the way forward."
Die Originaltexte in diesem Buch sind in der Phonetik des jamaikanischen Englisch (Patois) verfasst, die charakteristisch für Rhythmus und Klang von LKJs Gedichten ist. Die deutsche Übersetzung wird im Anschluss an das Original abgedruckt, nicht wie häufig üblich auf der gegenüberliegenden Buchseite. Damit soll ein ständiges Hin und Herwechseln vom Original zur Übersetzung vermieden werden, was jedem, der nicht Experte in jamaikanischem Patois ist, zwangsläufig passieren würde. Der Übersetzer betont, dass die deutsche Version keinen eigenen literarischen Anspruch erhebt, und tatsächlich kann die Übersetzung nicht das vermitteln, was seine Gedichte an Wortspiel, Melodie und Rhythmus ausmachen. Als Übersetzungshilfe ist die deutsche Version allerdings unerlässlich, da das jamaikanische Englisch geschrieben noch schwerer zu verstehen ist als gesprochen. LKJ-Gedichte muss man hören, geschrieben sind sie nur halb so stark, deswegen empfiehlt es sich die Texte laut zu lesen oder neben dem Buch ein LKJ-Album, besser noch eine Konzertkarte zu erwerben.

Die Neue Wortordnung /
New Word Hawdah
Gedichte in Deutsch und Englisch
Erscheinungsdatum: Juli 2002
ISBN 3-9807946-0-1
Seiten: 136
12.00 EUR